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Pflanzlich gegerbtes Leder

Handwerk und Material gehören zusammen

Das wichtigste Material in der Freiburger Sandalenwerkstatt ist Leder. Stabile, belastbare Leder für unsere Sandalen, ausgewählte Qualitäten für unsere Taschen. Wir arbeiten eng mit unseren Gerbereien zusammen und suchen sehr genau nach dem Leder, das für die jeweilige Aufgabe am besten passt. Dabei gibt es viel zu beachten, denn die Art des Leders, das Gerbverfahren, die Färbung und am Ende das Fetten können für ganz unterschiedliche Eigenschaften sorgen – von der Festigkeit bis zur Optik.

Damit arbeiten wir: Pflanzengegerbtes Leder aus handwerklichen Gerbereien.

Was bedeutet pflanzlich gegerbtes Leder?

Pflanzlich gegerbtes Leder – auch lohgegerbt, vegetabil gegerbt oder altgegerbt genannt – wird ausschließlich mit natürlichen Gerbstoffen aus Baumrinden, Blättern und Früchten verarbeitet. Im Gegensatz zur Chromgerbung, die heute rund 80 Prozent der weltweiten Lederproduktion ausmacht, braucht die pflanzliche Gerbung vor allem eines: Zeit. Wochen, manchmal Monate durchlaufen die Häute verschiedene Nassprozesse, bis sie zu echtem Leder geworden sind.

Die rohen Häute vor der Verarbeitung. Sie stammen aus dem regionalen Viehbestand.

Der weitaus größte Teil des Leders, das wir in der Sandalenwerkstatt verarbeiten, ist pflanzlich gegerbt. Für wenige Ausnahmen verwenden wir kombigegerbtes Leder, bei dem neben pflanzlichen Tanninen auch mineralische Gerbstoffe zum Einsatz kommen. Das eine wie das andere ist für sich genommen kein Qualitätsmerkmal – entscheidend ist die Arbeit und das Können der Gerber.

Grubengerbung und Eichenlohe: Die traditionellste Form

Eine besondere Spielart der pflanzlichen Gerbung ist die Grubengerbung mit Eichenlohe. Dabei werden die Häute in großen Gruben geschichtet und mit gemahlener Eichenrinde übergossen. Dieses Verfahren ist extrem langsam – ein vollständiger Gerbdurchgang kann bis zu zwölf Monate dauern. Das Ergebnis ist ein festes, langlebiges Leder mit einer Geschmeidigkeit, die industriell gegerbtes Leder selten erreicht.

Beim Gerben durchläuft die Haut verschiedene Nassprozesse, zum Beispiel in Gruben wie dieser.
Ein Markenzeichen der Gerberei Martin: Die Grubengerbung mit Eichenlohe.

Unser Leder beziehen wir unter anderem von zwei Gerbereien in Tuttlingen: der Gerberei Martin, die seit 1645 Sohlleder in Grubengerbung herstellt und damit zu den ältesten Gerbereien Mitteleuropas gehört, und der Rotgerberei August Renz, die seit fünf Generationen pflanzlich gegerbtes Leder produziert. Bei Renz wird ein Teil der schweren Rinderhäute in rotierenden Fässern mit höher konzentrierten pflanzlichen Gerbstoffen schneller gegerbt – ein Verfahren, das sich für bestimmte Lederqualitäten besser eignet.

Seit 1645: Thomas Martin von der Gerberei Martin, einer der ältesten Sohlledergerbereien Mitteleuropas, in Tuttlingen.
In fünfter Generation: Johannes Renz von der Rotgerberei August Renz in Tuttlingen.

Nose to Tail: Warum Leder ein nachhaltiges Material ist

Nose to Tail ist ein Begriff aus der Küche, aber die Idee dahinter betrifft auch die Lederherstellung. Bei tierischen Produkten verbessert sich die ökologische Bilanz, wenn wirklich alles verwertet wird. Die Haut eines Tieres kann ein hochwertiges Produkt sein – wenn sie aus einer guten Gerberei kommt und sorgfältig verarbeitet wird.

Wir legen größten Wert darauf, dass Material und Konstruktion gut zu reparieren sind.

Im Vergleich zu Kunststoffsandalen, die aus verschiedenen Materialien bestehen und kaum reparierbar sind, hat pflanzlich gegerbtes Leder klare Vorteile: Es ist reparierbar, langlebig und besteht aus einem nachwachsenden Rohstoff. Die eingesetzten Gerbstoffe sind natürlichen Ursprungs, das Leder ist biologisch abbaubar. Wer tierische Produkte nicht verwenden möchte, findet in Kunststoffsandalen Alternativen – muss dann aber das Entsorgungsproblem und die Verwendung von Mineralöl als Rohstoff in Kauf nehmen.

Verschiedene Qualitäten für verschiedene Aufgaben

Wie hochwertig ein Leder wird, hängt wesentlich von der Arbeit der Gerber und vom Ausgangsmaterial ab. Unsere Gerbereien wählen die Häute aus der regionalen Viehwirtschaft nach klaren Kriterien aus und produzieren daraus unterschiedliche Qualitäten.

Schwere Rinderhäute lassen sich mit höher konzentrierten pflanzlichen Gerbstoffen im rotierenden Fass schneller gerben. Hier in der Gerberei Renz.

Für den Sohlenaufbau unserer Sandalen benötigen wir festeres und dickeres Leder. Für die Riemen und als Deckleder bei unseren Clogs nehmen wir geschmeidigeres. Das Leder für unsere Taschen wird bereits in der Gerberei gefärbt und weiter verarbeitet – etwa durch starkes Fetten zu Pull-up-Leder, wie wir es für unsere Cartridge Bags verwenden.

Die Auswahl für die Sandalenwerkstatt: Jede Haut ist anders.
Verschiedene Qualitäten: Wir suchen die Eigenschaften, die wir brauchen.

Wir kaufen ganze Häute und schneiden sie selbst zu. Für unsere Sandalen und Schuhe färben wir die Riemen und Brandsohlen mit Anilinfarben ein, fetten die fertigen Teile mit gutem Lederfett und polieren sie von Hand. Das Leder, das aus den Gerbereien kommt, ist also noch nicht das Endprodukt. Erst wenn wir es in der Werkstatt weiterverarbeiten, erhält es die Eigenschaften, die perfekt zu unseren Sandalen und Schuhen passen.

In der Sandalenwerkstatt lagern wir das eingekaufte Leder bis zur Verarbeitung.
Stark: Das Leder für die Mittelsohle ist derb und belastbar.
Das auf der Gerberei stark gefettete Leder wird in unserer Werkstatt geformt und genäht. So entsteht eine Tasche.

Für unsere Taschen übernehmen die Gerbereien mehr Vorarbeiten. Ganze Rauleder-Häute färben oder Leder stark zu fetten, das gelingt in der Gerberei viel besser als in unserer kleinen Werkstatt. Auf die Qualität unserer Gerbereien können wir uns immer verlassen.

Charakter und Patina: Leder, das sich entwickelt

Der Charakter des pflanzengegerbten Leders gefällt uns besonders gut. Es ist ausgesprochen hautverträglich – nur wenige Menschen reagieren sensibel auf die natürlichen Gerbstoffe, die zu einem bestimmten Prozentsatz im Leder verbleiben. Das sollen sie auch, schließlich machen sie die Haut erst zum Leder.

Beim Tragen verändert sich pflanzlich gegerbtes Leder langsam. Es entwickelt sich, je nachdem, wie es beansprucht und gepflegt wird. Der Farbton kann sich mit der Zeit wandeln, die Oberfläche wird weicher und geschmeidiger. Das ist ganz typisch und gewollt. So gesehen arbeitet die Trägerin oder der Träger am Erscheinungsbild unserer Sandalen immer mit. Man sieht es an der Patina – und das ist eigentlich ein schöner Gedanke.